Mara Thelling arbeitet gleichzeitig an verschiedenen Serien. Hier finden Sie eine Auswahl von aktuellen Arbeiten.

1. Die Somnambule Linie – The Line Paintings

(Somnambulismus – Schlafwandeln)

Mara Thelling: Die Somnambule Linie – „Die Versammlung“, 2026, Acryl auf Leinwand, 120 x 200 cm, Konzipiert im Zustand der Luzidität; erste Skizze nocturn
Mara Thelling: Bildausschnitt – Die Somnambule Linie – „Die Versammlung“, 2026, Acryl auf Leinwand, 120 x 200 cm, Konzipiert im Zustand der Luzidität; erste Skizze nocturn

In dem Werk „Die Versammlung“ verdichten sich dunkelbraune und tiefschwarze, grafische Elemente zu einer spannungsvollen, fast architektonischen Struktur. Die eleganten, an den Jugendstil erinnernden Linien entspringen keiner rein rationalen Konstruktion am Tag, sondern wurden im Zustand des luziden Traums präzise visualisiert und noch in der Nacht unmittelbar als Skizze fixiert.

Das Bild dokumentiert so das unzensierte Aufeinandertreffen von Kontrolle und Unbewusstem: Die Formen scheinen sich wie Akteure in der Dunkelheit zu formieren, um eine geheimnisvolle, feierliche Ordnung zu stiften. Es entsteht ein monumentales Spannungsfeld aus fließender Ornamentik und strenger grafischer Setzung, das die Tradition der expressiven Nachkriegsmalerei zeitgenössisch in das Medium des Traums übersetzt.

Die Somnambule Linie „Die Versammlung“ gehört zu Mara Thelling„`  s Arbeiten aus der Meisterklasse bei Prof. Markus Lüpertz.

 

2. Oneirische Flora 

Dieses Werk zieht den Betrachter unmittelbar in die stille, meditative Tiefe einer luziden Traumlandschaft. Vor einem absolut monochromen, einfarbigen Hintergrund, der die Unendlichkeit des Nachthimmels oder des tiefen Kosmos evoziert, entfaltet sich ein feines Geflecht aus surrealen Symbolen und organischen Strukturen. Der Verzicht auf eine räumliche Perspektive verstärkt den Eindruck, dass es sich hierbei um eine reine Projektion des inneren Bewusstseins handelt.

Im Zentrum der Komposition steht das präzise Zusammenspiel aus Natur und Spiritualität. Florale Formen in reinem Weiß und lebendigem Grün ranken sich wie Traumblüten durch das Bildfeld und symbolisieren Wachstum, Entfaltung und das vegetative Leben im Zustand des Schlafes. Über dieser Szenerie schwebt eine perfekt austarierte, weiße Kugel, die unmissverständlich als Mond lesbar ist. Er fungiert als archetypisches Lichtelement und energetisches Zentrum der Nacht. Flankiert und bewacht wird dieses Arrangement von einem prominent platzierten Auge, dessen Gestaltung an das altägyptische Horus-Augeoder das „Dritte Auge“ erinnert. Es steht im Kontext des luziden Träumens als ultimatives Symbol für die Erleuchtung, das bewusste „Sehen“ im Schlaf und die spirituelle Hellsichtigkeit der Künstlerin.

Formal zeigt sich auch hier die Schule von Markus Lüpertz in der radikalen Reduktion der Bildelemente auf ihre wesentliche, zeichenhafte Form. Der flächige, monochrome Hintergrund bringt die kontrastierenden Formen in Weiß und Grün zum Leuchten. Die exakte Setzung der Symbole erzeugt eine fast sakrale, beruhigende Symmetrie. Inhaltlich dokumentiert das Bild die vollkommene Klarheit des Geistes während des Schlafs: Das Auge schläft nicht, es wacht über die innere Natur und blickt direkt in die Unendlichkeit des Raums. Das Werk ist eine poetische und zutiefst symbolische Kartografie des luziden Bewusstseins.

3. Aszension (Aufstieg) der Farben – Blooming

Mara Thelling: Aszension der Farben (Blooming), 2022, Acryl auf Leinwand, 120 x 100 cm, Konzipiert im Zustand der Luzidität, erste Skizze nocturn

Das Werk Aszension (Aufstieg) der Farben bricht mit einer leuchtenden, aufstrebenden Dynamik über den Betrachter herein. Das Bild ist das visuelle Pendant zu einem ebenfalls im luziden Traum entstandenen Songtext der Künstlerin mit dem Titel Blooming (Aufblühen). In dieser multidisziplinären Arbeit transformiert sie die ephemere Architektur des Unterbewusstseins in eine vitale, physisch greifbare Malerei. Der Titel und der zugrundeliegende Text verweisen auf den Moment des synästhetischen Erwachens, des floralen Aufbrechens und der energetischen Expansion innerhalb des Traumraums.

In der formalen Umsetzung zeigt sich die Schule von Professor Markus Lüpertz in der kompromisslosen Autonomie der Farbe und dem kraftvollen, gestischen Auftrag. Getragen wird die Komposition von einer unaufhaltsamen, vertikalen Bewegung, die von unten nach oben drängt. Diese aufstrebende Dynamik verleiht dem Bild die Wucht einer eruptiven Naturgewalt und visualisiert das namensgebende „Aufblühen“. Die Künstlerin nutzt die Unmittelbarkeit und Pigmentstärke der Acrylmalerei, um eine Palette aus strahlendem Gelb, energetischem Orange, tiefem Grün und kontrastierendem Hellblau zu orchestrieren. Die kühleren Blau- und Grüntöne im unteren Bereich fungieren als atmosphärisches, fast florales Fundament, aus dem sich die feurigen Eruptionen von Orange und Gelb vertikal emporheben.

Inhaltlich bewegt sich das Werk im Spannungsfeld zwischen absoluter mentaler Kontrolle und rauschhafter malerischer Hingabe. Das luzide Träumen erlaubt es der Künstlerin, im Zustand maximaler Klarheit visuelle Welten und Texte parallel zu fixieren, die im Wachzustand unzugänglich bleiben. Die vertikale Ausrichtung des Bildes symbolisiert dabei die titelgebende Aszension – das Aufsteigen aus den Tiefen des Unbewussten in das klare Bewusstsein des Traumzustands. Die Formen changieren zwischen expressiver Abstraktion und fließenden, organischen Strukturen, die sich einer eindeutigen Figuration verweigern, aber eine starke Präsenz behaupten. Aszension (Aufstieg) der Farben ist ein kraftvolles Manifest des kontrollierten Kontrollverlusts – ein leuchtendes Zeugnis eines im Traum vollzogenen, kreativen Schöpfungsaktes.